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February 17 2014

February 13 2014

Regierungskommission empfiehlt Australien Einführung von ‘Fair Use’ im Urheberrecht

Australien-Law-Reform-CommissionAuch außerhalb Europas gibt es in vielen Staaten Diskussionen darüber, wie sich das Urheberrecht mit neuen digitalen Technologien und Nutzungsformen besser in Einklang bringen lässt. Als eines der zentralen Probleme wird in den meisten Fällen die mangelnde Flexibilität und Enge von Ausnahme- und Schrankenbestimmungen gesehen.

In Australien hat jetzt die Law Reform Commission der Regierung nach zweijährigem und umfassenden Konsultationsverfahren einen 478-Seiten starken Bericht zum Thema “Copyright and the Digital Economy” (PDF) vorgelegt (eine kurze Zusammenfassung gibt es ebenfalls). Die zentrale Empfehlung des Berichts ist eindeutig: Australien soll eine Fair-Use-Klausel nach Vorbild des US-Copyrights einführen. In der Zusammenfassung (S. 12f.) werden exemplarisch folgende Gründe für diese Empfehlung aufgelistet (meine Übersetzung):

  • Fair use ist flexibel und technologieneutral.
  • Fair use fördert das öffentliche Interesse und transformative Nutzung.
  • Fair use unterstützt Innovation.
  • Fair use passt besser zu nachvollziehbaren Erwartungshaltungen von Konsumenten.
  • Fair use hilft die Märkte von Rechteinhabern zu schützen.
  • Fair use ist ausreichend rechtssicher und prognostizierbar.
  • Fair use is kompatibel mit Urheberpersönlichkeitsrechten und internationalem Recht.

Für den Fall, dass sich das Parlament gegen eine Einführung von Fair Use entscheidet, empfiehlt die Kommission zumindest den Schrankenkatalog auszudehnen und zu flexibilisieren – etwas, das die Initiative rechtaufremix.org auch in Europa erreichen möchte. Die klare und eindeutige Empfehlung der Regierungskommission für Fair Use, vor allem auf derart solider Grundlage, sollte jedenfalls auch den Verantwortlichen in Europa zu denken geben.

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December 20 2013

Zensur-Kollateralschaden: Aufklärungswebseiten in Großbritannien gesperrt

Ab Anfang nächsten Jahres bekommt jeder neue britische Internetanschluss einen voreingestellten Internet-Jugendfilter. Das soll laut einer Kampagne von Großbritanniens Premier Cameron das Surfen im Internet sicherer machen und die Jugend vor gefährlichen Inhalten schützen. Zu den geblockten Themen zählen nicht nur Pornos, wie ursprünglich angesagt, sondern auch andere kritische Inhalte wie Webseiten zu Essstörungen, Alkohol, Suizid, Esoterik und Zensurumgehungstools. Und natürlich Extremismus. Und da alles “freiwillig” ist – so freiwillig wie ein ausdrückliches Opt-Out eben ist – braucht es dafür nichtmal eine gesetzliche Verankerung.

Die vier größten Internetanbieter im Land haben die Filter bereits jetzt umgesetzt, der viertgrößte britische ISP TalkTalk zum Beispiel. Der hatte schon 2011 ein eigenes System zum Blockieren von Inhalten, HomeSafe, im Angebot, das Kunden bisher nachträglich anschalten konnten.

BBC hat nun herausgefunden, dass nicht nur “legale Hardcore-Pornographie” von den Filtern betroffen ist. Geblockt werden auch Seiten zur sexuellen Aufklärung, Beratungsangebote für Opfer sexuellen Missbrauchs und häuslicher Gewalt. Und man kann sich vorstellen, dass auch andere Inhalte betroffen sind, die potentiell auffällige Stichwörter enthalten. Aussteigerangebote für Angehöriger extremistischer Gruppen, Selbsthilfegruppen und Gesundheitsberatung für sexuell übertragbare Krankheiten zum Beispiel.

Neben der naheliegenden Erkenntnis, dass Internetzensur in jeder Ausprägung doof ist, zeigt die Meldung noch etwas anderes: Nämlich wie gefährlich es ist, das Urteil, was wir sehen dürfen, irgendeinem Softwarefilter zu überlassen. Blacklists, auf denen manuell Seiten vermerkt sind, die unerwünscht sind, schränken unsere Freiheit ein. Aber sie sind, auch wenn es das nicht besser macht, bis zu einem gewissen Maß deterministisch.

Noch absurder war ein Vorfall in Australien, über den The Sydney Morning Herald im Juni berichtete: Die australische Finanzaufsichtsbehörde hatte angewiesen, eine Webseite zu blocken. Nicht wie üblich über die Domain – wie www.netzpolitik.org -, sondern über die IP-Adresse. Da aber oftmals mehrere Domains unter einer IP gehostet werden, verschwanden in einem drastischen Fall 250.000 Seiten aus dem Netz, die bis auf den gemeinsamen Hoster in keinerlei Zusammenhang zum eigentlich zensierten Inhalt standen.

Sobald wertvolle Netzinhalte als Kollateralschaden effektiv aus dem Netz verschwinden – also aus Versehen nicht mehr erreichbar sind, obwohl es sie weiterhin gibt und auch offiziell geben sollte – bringt das den freien Zugang zu Wissen in Gefahr, von dem man nicht einmal weiß, dass es nicht mehr verfügbar ist.

Was uns die Große Koalition im Bereich Internetsperren bringen wird, wissen wir noch nicht. CSU-Politiker Norbert Geis, der eine Einführung von Jugendschutzfiltern nach britischem Vorbild vorgeschlagen hatte, findet sich nicht mehr im neuen Bundestag. Und der neue Koalitionsvertrag äußert sich nur sehr unkonkret:

Für einen wirksamen gesetzlichen Kinder- und Jugendschutz ist eine Angleichung der gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Kindern unabhängig vom Verbreitungsweg der digitalen Medien anzustreben. Dabei sollten die heute geltenden hohen Jugendschutzstandards für Trägermedien als Orientierung dienen. Im Zentrum für Kinderschutz im Internet (I-KiZ) arbeiten die Beteiligten zusammen an einer Gesamtstrategie, die Regulierung, Anbieterverantwortung und die Stärkung der Medienkompetenz miteinander verbindet und internationale Zusammenarbeit sicherstellt

Aber allein das Auftauchen der Begriffe “Regulierung” und “Anbieterverantwortung” lässt eine weitere dunkle Wolke am Horizont eines freien Internets auftauchen.

Die einzige wirksame Möglichkeit des Widerstandes ist wohl, das Wissen über die Existenz undUmgehung von Netzsperren und  -zensur zu verbreiten und zu versuchen, bereits Jugendliche an den Umgang mit Proxyservern, VPNs und Tor heranzuführen.

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December 04 2013

Wirtschaftsspionage: Australische Geheimdienste kämpfen um milliardenschweres Gasfeld

brandis_statementAustralien darf sich ab morgen vor dem Ständigen Schiedshof in Den Haag zu den Vorwürfen des Nachbarstaats Osttimor äußern, denen zufolge der australische Geheimdienst ASIS im Jahr 2004 Regierungsvertreter bei der Aushandlung eines Abkommens abgehört und Informationen zur Wirtschaftsspionage genutzt hat. In die Schlagzeilen kommt dieser Vorgang gerade vor allem, weil ein weiterer Geheimdienst den australischen Anwalt und früheren Politiker Bernard Collaery, der Osttimor vertritt, unter Beschuss genommen hat: Dieser ist schon eine Weile in Europa und bereitet hier die Verhandlungen vor. Der australische Nachrichtendienst ASIO hat unterdessen gestern seine Kanzlei und seinen Wohnsitz durchsucht und den Kronzeugen festgesetzt. Dabei weigerten sich die Geheimdienstler, die Durchsuchungsanordnung vorzuzeigen, da dies die nationale Sicherheit gefährde.

Der australische Justizminister George Brandis hat bestätigt, dass er die Durchsuchungen autorisiert hat. Es seien Dokumente aus dem Besitz von Collaery und aus denen des früheren technischen Leiters von ASIS, der als Whistleblower der Kronzeuge in der Auseinandersetzung ist, beschlagnahmt worden. Letzterem wurde auch der Pass abgenommen, was eine Reise nach Den Haag schwierig gestalten dürfte.

Brandis drohte Collaery recht direkt, als er erklärte, dieser riskiere, das Gesetz zu brechen; das Anwaltsgeheimnis gelte für ihn ausserdem nicht. Der 2004 amtierende Aussenminister Downer äußerte sich im australischen Radio ausführlich zu den damaligen Verhandlungen und zu den diplomatischen Anliegen Osttimors. Auf die Frage, ob er von der Ausspähung gewusst habe, antwortete er, dass das Kommentieren dieser Frage offensichtlich nicht mit seinen Verpflichtungen in Einklang zu bringen sei. Der amtierende australische Premierminister Tony Abbott verteidigte die Durchsuchungen: Diese hätten der nationalen Sicherheit gedient:

We don’t interfere in cases, but we always act to ensure that our national security is being properly upheld. That’s what we’re doing.

Zu den Durchsuchungen und den Hintergründen äußert sich Collaery in diesem Interiew mit einem australischen Fernsehsender, in dem er unter anderem auf die Rolle von David Irvine eingeht, der 2004 als Chef von ASIS die Abhöraktion direkt angeordnet haben soll und heute als Chef von ASIO die Hausdurchsuchungen zu verantworten hat:

Hintergrund der Spionagevorgänge sind wirtschaftliche Interessen: Beide Länder befinden sich seit Jahren in Verhandlungen um die Anteile an den milliardenschweren Gasvorkommen, die der liebe Gott zwischen den Staaten im Meeresboden verbuddelt hat. Das Greater Sunrise Öl- und Gasfeld befindet sich je nach Berechnungsart zu unterschiedlichen Anteilen im Hoheitsbereich Osttimors (rund 100 km von der Landgrenze) und Australiens (rund 400 km von der Landgrenze). Der australische Konzern Woodside Petroleum will eine möglichst weitreichende Kontrolle über den Förderungs- und Verarbeitungsprozess. Als Verhandlungsmasse war zwischen den Staaten im weiteren Verlauf unter anderem eine “processing facility” für Asylsuchende im Gespräch, die Osttimor Australien abnehmen sollte.

Durch die Snowden-Dokumente ist bereits die Telefonüberwachung der indonesischen Regierung durch den australischen Geheimdienst dokumentiert. Spionage in Osttimor hat eine gewisse Tradition; in australischen Medien wird der Regierung vorgeworfen, über das Schicksal seiner Nachbarn weiterhin mit kolonialherrischer Attitüde bestimmen zu wollen. Scharf kritisiert wird zudem das zunehmend autoritäre Auftreten gegenüber Presse und Whistleblowern.

Der Whistleblower soll zunächst den offiziellen Weg genommen haben: Als er den Generalinspekteur der Geheimdienste über die seiner Meinung nach besorgniserregenden Vorkommnisse informieren wollte, sei ihm mitgeteilt worden, dass keine Untersuchung in die Wege geleitet werden könne und dass er sich einen Anwalt suchen solle. Die Kontrollbehörde gilt als ausgesprochen schlecht ausgestattet. Durchgeführt wurde die Abhöraktion den Angaben zufolge unter dem Deckmantel einer Hilfsoperation, bei der die Kabinettsgebäude erneuert wurden, was sich der erst kurz zuvor unabhängig gewordene Staat, der zu den ärmsten der Welt gehört, nicht selbst leisten konnte.

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November 18 2013

Forschen, nicht Ausspähen – Australien hört indonesischen Präsidenten ab

Aus dem Fundus von Edward Snowden wurde eine weitere schmucklose Powerpoint-Präsentation geleakt. Die stammt diesmal von der Geheimdienstabteilung des australischen Verteidigungsministeriums zusammen mit dem Nachrichtendienst Defense Signals Directorate  und belegt, dass Australien 2009 den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, dessen Frau und acht weitere Regierungsmitglieder abgehört hat.

Die Abhörung von Regierungschefs stellt nun nicht mehr den größten Neuigkeitswert dar. Auch war im Oktober und Anfang November bereits bekanntgeworden, dass Australien den USA diverse Botschaftsgebäude in asiatischen Ländern für ihre Abhörprogramme zur Verfügung gestellt hatte und während des Weltklimagipfels in Indonesien 2007 versucht hat, die Telefonnummern von Sicherheitsbeamten zu ermitteln.

Was aber wirklich überrascht – beziehungsweise zum Kopfschütteln anregt – ist die Rechtfertigung des konservativen australischen Premierministers Tony Abbott für die Nutzung der Botschaften als Spähposten in einem ABC-Interview vor fünf Tagen:

Wir nutzen die gesammelten Informationen für das Gute, auch um eine engere Beziehung zu Indonesien aufzubauen. Eines der Dinge, die ich dem indonesischen Vizepräsidenten in unserer heutigen Diskussion angeboten habe, ist, unser Level von Informationsaustausch anzuheben. Denn ich will, dass die Menschen in Indonesien wissen, dass wir all das tun, um sowohl Indonesien als auch Australien zu helfen. Indonesien ist ein Land, das ich durch meine eigene Zeit in Indonesien sehr respektiere und das mir sehr am Herzen liegt.

Eine Nominierung für den Euphemismus des Tages hat sich Abbott auch in einem Interview mit dem australischen Radiosender 3AW (Transkript hier) verdient. Ausspähen ist ein sehr hässliches Wort, gibt es da nicht ein Schöneres?

Forschen, vielleicht. Mit Leuten reden. Verstehen, was vor sich geht. Ich meine, wir tun das ständig. Jeder tut das, aber was australische Minister nie getan haben ist, über die Details von Geheimdienstoperationen zu sprechen.

Eine Rechtfertigung für die heutigen Leaks steht noch aus. Aber vielleicht kann man da ja einfach eine generieren.

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August 27 2013

Game of Thrones meets Julian Assange

Rap News 20 ist wohl der inoffizielle Werbespot für Julian Assanges Wikileaks-Partei in Australien featuring Game of Thrones und einem singenden Julian Assange.

Ab 4:20 Uhr wird es richtig lustig, wenn Julian Assange als verkleideter John Farnham “You’re the Voice” singt.

Unterstützung kann die Partei gebrauchen, nachdem, was Heise die Tage berichtete: Australische Wikileaks-Partei in schwerer Krise.

(via de-bug)

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July 12 2013

BKA, Bundespolizei und BND experimentieren mit 3D-Druckern und wollen diese für “interne Produktionsabläufe” nutzen

Die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA) führen bald Tests mit 3D-Druckern durch. Hierzu wollen die beiden Behörden einen eigenen Drucker beschaffen und Dateien nutzen, um Waffen bzw. Waffenteile herzustellen. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Die Abgeordneten hatten sich allgemein nach polizeilichen Aktivitäten hinsichtlich der 3D-Drucker befasst. Hintergrund war eine Meldung mehrerer Medien vom Mai diesen Jahres, wonach im Kanzleramt ein “Geheimtreffen” mit dem BKA zur Thematik stattgefunden hätte. Dies wird jedoch dementiert: Es habe sich in besagten Berichten um das turnusmäßige Treffen von Ministeriumsvertretern und Präsidenten von Sicherheitsbehörden gehandelt. Das BKA hatte dort eine entsprechende Präsentation gehalten. Jedoch wird von Staatssekretär Ole Schröder bekräftigt, dass es die Behörden eilig haben:

BKA und BPOL widmet sich aktuell mit hoher Priorität der Thematik “3D-Drucker”. Schwerpunkt und Bewertungen der Untersuchungen sind dabei einerseits Gefahren, die von einer kriminell intendierten Nutzung dieser Technik für die Allgemeinheit und die öffentliche Sicherheit entstehen können, sowie andererseits eine Abschätzung der Nutzungsmöglichkeiten dieser Technologie für eigene (polizeiliche) Zwecke.

Laut der Antwort ist das BKA selbst aktiv, um einen internationalen Austausch zur Gefährdung durch 3D-Drucker anzuregen. Hierzu hat das Amt auf einer informellen Polizeikonferenz Kontakt mit der australischen Polizei aufgenommen. Dort wurde bereits mit einem Drucker des Typs “Liberator” eine Pistole ausgedruckt. Beim ersten Schuss hatte sich die Waffe aber selbst zerlegt. Das BKA hat jetzt “erste Unterlagen” aus Australien erhalten.

Abteilungen des BKA haben sich überdies mit dem Bundesinnenministerium Österreichs in Verbindung gesetzt, das ebenfalls Tests mit einem “Liberator” durchführte. Das Ausdrucken hat dort rund 30 Stunden gedauert. Anschließend konnten angeblich mehrere erfolgreiche Schüsse mit 9 Millimeter-Patronen abgegeben werden. Auch hierzu erhielt das BKA einen Bericht. Nach eigener Einschätzung seien die in Österreich hergestellten Produkte geeignet, “letale Verletzungen” zu erzeugen.

Bei der besagten Konferenz handelt sich um die jährlich stattfindende “Pearls in Policing”. Das Treffen findet seit 2006 statt und orientiert sich explizit an den geheimnisumwobenen “Bilderberg”-Konferenzen, in denen sich VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft in Kamin-Athmosphäre über zukünftige Politiken austauschen.

Polizeien mehrerer Länder diskutieren bei “Pearls in Policing” die sicherheitspolitische Handhabung politischer Trends, darunter etwa zunehmende Umweltzerstörung und das Bevölkerungswachstum. Ziel ist eine bessere internationale Vernetzung. Das BKA ist bei “Pearls in Policing” vor allem hinsichtlich der Überwachung und Analyse von Social Media-Aktivitäten präsent. Dessen Vizepräsident Jürgen Stock ventilierte hierzu vor zwei Jahren Erkenntnisse über “Neue Technologien”:

Examine the evolving nature of social media and associated new technologies; the implications on crime and public safety/security and the associated challenges and opportunities for police to respond strategically; and make recommendations for the future.

Gefahr durch 3D-Drucker droht laut dem Bundesinnenministerium insbesondere im Bereich “Luftsicherheit”, weshalb sich die Bundespolizei mit neuen Verfahren zur Erkennung entsprechender Teile bei Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen beschäftigt. Aufziehende Probleme sieht der Staatssekretär aber auch in etwaigen Verletzungen von Urheberrechten durch “Produkt- und Markenpiraterie”. Zugangsbeschränkungen für Jugendliche könnten überdies durch die freie Verfügbarkeit von Dateien im Internet umgangen werden.

Bislang vorliegende Erkenntnise zur sicherheitspolitischen Einschätzung von 3D-Druckern hat das BKA nun im regelmäßig erscheinenden Informationsblatt “Neue Technologien” zusammengetragen, das auch den Länderpolizeien zugänglich gemacht wird. Laut dem Bundesinnenministerium forschen Landeskriminalämter einiger Bundesländer selbst zur Thematik.

In der Anfrage hatten sich die Abgeordneten auch nach positiven Konsequenzen der neuen Drucktechnologie erkundigt. Interessanterweise prüfen mehrere Sicherheitsbehörden laut der Antwort, inwiefern die Verfahren selbst genutzt werden könnten:

Das BKA wird 3D-Drucktechniken auch hinsichtlich ihrer polizeilichen Einsatzmöglichkeiten untersuchen. Die Bundespolizei befasst sich ebenfalls mit den Nutzungsmöglichkeiten für eigene Zwecke. [...] Darüber hinaus prüft der BND die Einsetzbarkeit von 3D-Druckern zur Verbesserung interner Produktionsabläufe.

In der Anfrage ging es auch darum, inwiefern die Behörden des Bundesinnenministeriums Urheberrechte beachten, etwa wenn Waffen aus im Internet zirkulierenden Dateien gedruckt werden. Ole Schröder verspricht, die Rechte Dritter würden “selbstverständlich gewahrt”.

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May 21 2013

Internet-Zensur: Australische Finanz-Aufsichtsbehörde lässt Webseiten sperren

Die australische Regierung hat bestätigt, dass die australische Finanz-Aufsichtsbehörde (ASIC) für die Sperrung einer Reihe von Webseiten verantwortlich ist, welche mit betrügerischen Online-Angeboten in Verbindung gebracht werden. Doch die Sperrung ist aus mehreren Gründen nicht unumstritten. So sind Sperrungen von bestimmten Webseiten bisher nur von der australischen Polizei angeordnet worden, so dass hier womöglich von einem Präzedenzfall gesprochen werden kann. Darüber hinaus lief die Sperrung der betroffenen Webseiten aber auch alles andere als reibungslos. Insgesamt wurden fälschlicherweise rund 1200 Seiten gesperrt, darunter auch das Webangebot der Freien Universität Melbourne.

Bei der Sperrung beruft sich die ASIC auf Paragraph 313 des australischen Telekommunikationsgesetzes. In diesem Paragraph ist geregelt, dass australische Behörden Zugangsanbieter verpflichten können Webangebote zu sperren. Geschaffen wurde der Paragraph um Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten zu sperren (wir berichteten), weshalb er bisher nur von der australischen Bundespolizei genutzt wurde. Ob die Anordnung einer Webseiten-Sperrung durch eine australische Behörde rechtmäßig ist wird, laut delimiter.com.au, selbst von den australischen Providern angezweifelt:

The use of the Section 313 notices in this manner is believed to be the first occasion when the legislation has been interpreted to allow the Australian Federal Police to request ISPs to block website addresses. Some ISPs have questioned the legality of the use of the legislation in this manner, with some — such as one ISP believed to be major telco TPG — going so far as to refuse to follow the AFP’s requests to block websites.


Darüber hinaus sei die Sperrung auch technisch nicht einwandfrei gelaufen. So forderte die ASIC die Provider auf komplette IP-Adressen, anstelle von einzelnen URLs, zu sperren. Dieses resultierte in der versehentlichen Sperrung von rund 1200 Webseiten.

Melbourne Free University’s website was hosted at the same IP address as the fraud website, and was unintentionally blocked. Once ASIC were made aware of what had happened, they lifted the original blocking request.

Dennoch war die Webseite der Universität Melbourne 8 Tage nicht zu erreichen. Erschwerend kam in diesem Fall hinzu, dass die Nutzer ins Leere geleitet wurden wie heise berichtet:

[...] Surfer, die auf eine blockierte Domain zugreifen wollen, [werden] auf eine Informationsseite umgeleitet. Die Sperren der ASIC führten dagegen ins Leere, sodass es auch keine Beschwerdemöglichkeit gab.

Die gesamte Situation ins Australien sollte weiter beobachtet werden. Noch im November letzten Jahres hatte der australische Kommunikationsminister Stephen Conroy einen kontrovers diskutierten Gesetzesentwurf eingestampft. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wie relevant der neue Gesetzesentwurf überhaupt gewesen wäre, scheinen doch die australischen Behörden auch mit den vorhandenen Gesetzen genug Mittel zur Internetzensur auf ihrer Seite zu haben. Abzuwarten bleibt, ob die Finanz-Aufsichtsbehörde nun einen Stein ins Rollen gebracht hat und weitere australische Behörden ab sofort die Sperrung von unliebsamen Webangeboten fordern.

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May 19 2011

Netzneutralität im australischen Fernsehen

Der australische TV-Sender ABC hat eine Sendung für digitale Kultur namens “Hungry Beast” und in der aktuellen Ausstrahlung einen guten Beitrag über Netzneutralität gesendet. “Hungry Beast” scheint ein spannendes TV-Format zu sein, leider sind die Inhalte auf deren Webseite nur von australischen IPs anschau- und herunterladbar, aber es gibt einen Youtube-Kanal:

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April 04 2011

Underground: Die Geschichte der frühen Hacker-Elite

Im Jahre 1997 veröffentlichte Suelette Dreyfus das Buch “Underground” über die australische Hackercommunity. Julian Assange half ihr bei der Recherche und wurde jetzt nachträglich zum Co-Autor erhoben. Und deswegen gibt es in Folge des Wikileaks-Medienhypes nun eine deutsche Übersetzung für 24,95 Euro: Underground: Die Geschichte der frühen Hacker-Elite. Tatsachenroman (Amazon-Partnerlink). Wer das Geld sparen möchte, findet die englische Originalversion beim Projekt Guttenberg in diversen Formaten.

Wie ich darauf komme? Bei sueddeutsche.de gibt es ein ausführliches Interview mit Dreyfus: Im Untergrund mit Assange.

SZ: Wie politisch waren die frühen Hacker denn? Das klingt im Buch alles auch sehr spielerisch. Sie versuchten einfach in jedes Computernetzwerk einzudringen, an das sie herankommen konnten.

Dreyfus: Bei einer Reihe der Hacker, die ich interviewt habe, habe ich schon Spuren einer frühen Politisierung gefunden. Zum Beispiel der Wank-Wurm, den man den weltweit ersten politisch motivierten Computerwurm oder den ersten Wurm mit einer politischen Botschaft nennen könnte. Das war ein ziemlich bedeutender Meilenstein. Denn es war ganz deutlich, dass der Autor oder die Autoren dieses Wurms die Autoritäten ablehnten, die Atomenergie förderten. Also machten sie sich darüber lustig, machten eine Art Satire daraus, als deutliches Zeichen der Ablehnung.

Das war spielerisch, weil der Wurm den Behörden vor allem einen Streich spielte. Er drang in die Netzwerke der Nasa und des US-Energieministeriums ein und tat so, als würde er große Datenmengen löschen, obwohl nichts dergleichen geschah. Die Daten waren also alle noch intakt, obwohl einige Leute deswegen vielleicht Herzanfälle hatten, was vielleicht auch etwas hart war. Die gleiche Politisierung fand man auch bei den International Subversives (Assanges Hackergruppe Anm. d. Red.).

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