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February 11 2014

The Day We Fight Back

Vor etwas mehr als zwei Jahren fand das SOPA-Blackout statt, bei dem viele große Internetseiten gegen SOPA, PIPA und ACTA demonstriert hben und zeigen wollten, was passiert, wenn einfach Teile des Internets abgeschaltet werden könnten. Vor etwas mehr als einem Jahr nahm sich Aaron Swartz, ein Internetaktivist, der maßgeblich an den Protesten beteiligt war, das Leben. Diesen beiden Ereignissen zum Gedächtnis und aus Anlass der andauernden Massenüberwachungs-Enthüllungen wird heute wieder eine gemeinsame Aktion vieler großer Internetakteure stattfinden.

thedaywefightback

Ziel der Aktion TheDayWeFightBack.org ist es, Amerikaner zu mobilisieren ihren Abgeordneten im US-Kongress durch E-Mails und Anrufe klarzumachen, dass sie sich gegen die ausufernde Geheimdienstarbeit einsetzen sollten. Besucht man die Seite außerhalb der USA, bekommt man einen Verweis darauf, an der Petition necessaryandproportionate.org teilzunehmen. Die Mitglieder des Bündnisses platzieren zur Unterstützung Banner auf ihren Webseiten, Angestellte sollen ihre Firmen dazu auffordern, sich ihrerseits starkzumachen und Internetnutzer – also wir alle – sind angehalten, die Nachricht über soziale Netzwerke und Memes zu verbreiten. Es kann sich also jeder beteiligen, auch mit kleinem Aufwand!

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January 13 2014

Ein Jahr nach dem Tod von Aaron Swartz

CC-BY-2.0 via Flickr/quinnums

CC-BY-2.0 via Flickr/quinnums

Heute vor einem Jahr haben wir über den Selbstmord von Aaron Swartz am 11. Januar 2013 berichtet. Aaron war ein bekannter Aktivist und gehörte zu den Mitgründern von Reddit und Demand Progress. Er hatte bereits mit 14 Jahren an der Entwicklung des RSS-Standards mitgewirkt und war Stipendiat an der Harvard-Universität. Später hat er sich von der Firma hinter Reddit ausbezahlen lassen und sich vollständig dem Aktivismus gewidmet – gegen SOPA und PIPA und für Open Access und Open Goverment.

2011 kamen Probleme auf und Aaron  wurde vom MIT angeklagt – er habe sich illegal über das MIT Zugang zur Journal-Datenbank JSTOR verschafft und dort 4,8 Millionen Dokumente heruntergeladen. Ihm drohten, obwohl JSTOR keine Ansprüche mehr stellen wollte, 35 Jahre Haft und eine enorme Geldstrafe, da die Staatsanwaltschaft den Fall weiterverfolgte. Das Urteil wurde im April 2013 erwartet und es wird angenommen, dass sein Selbstmord eine Konsequenz der Anklage war.

Es gab in Folge der Ereignisse viele Nachrufe, einer der bekanntesten stammte von Cory Doctorow auf boingboing.net, der ihn nur eine Stunde nach Eintreffen der Todesnachricht bei ihm verfasste. Doch sein Tod rief auch Proteste hervor – gegen eine Welt, in der man angeklagt wird, weil man Wissen befreien und mit der Welt teilen will. Als Zeichen der Missachtung des Verhaltens des MIT, das von Aarons Eltern für seinen Tod mitverantwortlich gemacht wurde, legte Anonymous deren Netzwerk für beinahe drei Stunden lahm und ersetzte bei einer zweiten Aktion eine Instituts-Webseite durch einen Nachruf auf Aaron.

rip_aaron_swartz

In der Zeit nach seinem Selbstmord wurde Aarons Gesicht zu einer Verkörperung des Internetaktivisten, der versucht hat, gegen ein ungerechtes System zu kämpfen – bis ans Ende seiner Kräfte. Er wurde zum Opfer absurd restriktiver Gesetze gegen die sogenannte ‘Computerkriminalität’. Das hat viele motiviert, seinen Kampf weiterzukämpfen. Als dann im Juni die Überwachungsenthüllungen an die Öffentlichkeit kamen, verschwand seine Präsenz fast vollständig und Edward Snowden trat an die Stelle des Verfolgten und Verurteilten. Die beiden waren in ihrem Streben vereint, Informationen und Wissen zu befreien – wenn auch anderer Art. Umso wichtiger, dass wir uns ein Jahr nach seinem Tod wieder an ihn erinnern.

Die Electronic Frontier Foundation hat einen sehr schönen Erinnerungsnachruf verfasst, der uns zur Nachfolge seiner Bemühungen aufruft:

Man braucht einen gewaltigen menschlichen Geist, um sich das Scheitern der Institutionen um uns herum anzusehen – vom Zusammenbruch von angemessenen Kontrollmechanismen gegenüber der Regierung über deren Krieg gegen Whistleblower bis zu dem gewaltigen Einfluss von Unternehmen bei der Umsetzung von nutzerfeindlichen Praktiken – und dabei nicht zu verzweifeln. Aaron hat uns gezeigt, dass wir nicht verzweifeln müssen. Er hat Menschen nicht aus grenzenlosem Optimismus dazu inspiriert, große Herausforderungen anzunehmen, sondern weil er geglaubt hat, dass wir, wenn wir den ersehnten Wandel in der Welt vor Augen haben, auch mächtig genug sind, ihn wahr zu machen.

Am 11. Februar wurde von verschiedenen Organisationen, darunter auch EFF, reddit und boingboing.net, zu einem Protesttag unter dem Motto ‘The Day We Fight Back‘ gegen Massenüberwachung aufgerufen. Am Freitag davor hackte Anonymous eine Seite des MIT und ersetzte deren Inhalt mit einer Referenz auf den obigen Protest.

Um an das Wirken und die Ziele von Aaron zu erinnern wird Brian Knappenberger vermutlich noch in diesem Jahr die Dokumentation The Internet’s Own Boy veröffentlichen. Hoffentlich lässt sich damit das Andenken an Aaron Swartz erhalten. Wir haben es bitter nötig, denn erst letzte Woche wurde in den USA ein Vorschlag zur Änderung des Personal Data Privacy And Security Act eingebracht, der nicht nur die Strafen für “Hacking” erhöhen, sondern auch Hackversuche mit erfolgreichen Hacks strafrechtlich auf eine Stufe stellen würde.

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September 11 2013

Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links

Barrett Brown im Jahr 2007. Bild: Karen Lancaster

Barrett Brown im Jahr 2007. Bild: Karen Lancaster

Der amerikanische Journalist und Aktivist Barrett Brown sitzt seit über einem Jahr im Gefängnis. Er sieht sich mit Anklagen konfrontiert, welche ihn in Addition der einzelnen Strafmaße für 105 Jahre ins Gefängnis bringen würden. Sein Verbrechen: er veröffentlichte einen Link zu einer Reihe geheimer Daten, welche enge Beziehungen zwischen der amerikanischen Regierung und privaten Sicherheitsfirmen aufzeigten.

Die New York Times beschreibt Barrett Brown als einen Journalisten der die “Konflikte und Widersprüche des Journalismus in der digitalen Ära” aufzeigt. Brown schrieb unter anderem für Vanity Fair, die Huffington Post und den Guardian. Mindestens so sehr wie als Journalist sei Brown jedoch auch als Aktivist aktiv gewesen. Unter anderem war er in der Vergangenheit Sprecher von Anonymous. Seine Interesse war jedoch immer dasselbe, egal ob als Journalist oder Aktivist: die Verwicklungen amerikanischer Sicherheitsbehörden mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft aufzeigen und anprangern.

Die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus scheinen bei Barrett Brown fließend gewesen zu sein, wie die New York Times anmerkt:

He was known to call some of his subjects on the phone and harass them. He has been public about his struggles with heroin and tends to see conspiracies everywhere he turns. Oh, and he also threatened an F.B.I. agent and his family by name, on a video, and put it on YouTube, so there’s that.


Das Youtube-Video veröffentlichte Brown im Jahr 2012, nachdem das FBI seine Mutter wegen Behinderung der Justiz anzeigte. Sie hatte bei einer Durchsuchung ihres Hauses, indem Barrett Brown zu der damaligen Zeit mir ihr wohnte, versucht den Laptop ihres Sohnes zu verstecken. Brown war nach der Anzeige durch das FBI so aufgebracht, dass er das besagte Video aufnahm. Zitat aus dem Video:

I don’t say I’m going to kill him, but I am going to ruin his life and look into his (expletive) kids.

Auch wenn dieses Drohvideo nun gegen ihn verwendet wird, es ist nicht der Hauptgrund für die Anklage gegen ihn. Barrett Brown gründete ihm Jahr 2010 die Gruppe “Project PM”, die als “verteilter Think-Tank” für Online-Recherchen gedacht war. Wenn Anonymous und Co. neue Datenberge veröffentlichte, dann war es “Project PM” die sich daran machten die Daten zu analysieren.

So auch im Dezember 2011 als Anonymous rund 5 Millionen E-Mail von Stratfor Global Intelligence erbeutet hatte und diese an Wikileaks weitergab. Die E-Mails enthielten unter anderem auch Kreditkartendaten und Sicherheitscodes und zeigten die engen Verbindungen der US-Regierung zu der Privatfirma auf. Brown postete in einem Chatroom von “Project PM” einen Link zu den Daten, was ihm zum Verhängnis wurde.

The credit card data was of no interest or use to Mr. Brown, but it was of great interest to the government. In December 2012 he was charged with 12 counts related to identity theft. Over all he faces 17 charges — including three related to the purported threat of the F.B.I. officer and two obstruction of justice counts — that carry a possible sentence of 105 years, and he awaits trial in a jail in Mansfield, Tex.

In der Anklageschrift heißt es:

[Mr. Brown] provided access to data stolen from company Stratfor Global Intelligence to include in excess of 5,000 credit card account numbers, the card holders’ identification information, and the authentication features for the credit cards known as the Card Verification Values (CVV), and by transferring and posting the hyperlink, Brown caused the data to be made available to other persons online without the knowledge and authorization of Stratfor Global Intelligence and the card holders.

Festzuhalten bleibt aber, dass Barrett Brown nicht an der Beschaffung der Daten beteiligt war – wofür er auch nicht angeklagt wurde – sondern dass es den Anklägern einzig um die Veröffentlichung des Links ging. Die New York Times hebt jedoch hervor, dass es sich hierbei um normale journalistische Arbeit handelt, die zur Zeit auch intensiv mit den Snowden-Dokumenten betrieben wird.

Journalists from other news organizations link to stolen information frequently. Just last week, The New York Times, The Guardian and ProPublica collaborated on a significant article about the National Security Agency’s effort to defeat encryption technologies. The article was based on, and linked to, documents that were stolen by Edward J. Snowden [...].

Alexander Zaitchik hat Barrett Brown für einen ausführlichen Bericht des Rolling Stone im Gefängnis besucht. Zaitchik schreibt Brown so “schockierend entspannt” für jemanden der einer 105-jährigen Gefängsnisstrafe entgegenblickt. Brown sagte zu ihm:

I’m not worried or panicked. It’s not even clear to me that I’ve committed a crime.

Auch wenn Brown nicht an der Beschaffung der Daten beteiligt gewesen war, sind einige Parallenen zum Fall Aaron Swartz ersichtlich, der sich im Januar diesen Jahres das Leben nahm. Aaron Swartz wurde im Jahr 2011 festgenommen, nachdem er über das öffentliche Netzwerk der MIT rund 4 Millionen akademische Dokumente aus dem JSTOR-Archiv geladen hatte. Hintergrund waren jedoch keine finanziellen sondern Swartzes Einsatz für die Open-Access-Bewegung. Ihm wurde jedoch Überweisungsbetrug und Manipulation von Computern vorgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt drohten im 35 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1 Millionen US-Dollar. Auch dieses Strafmaß wurde als viel zu hoch und unangemessen kritisiert.

Und auch bei Barrett Brown scheint die Anklage ganz auf Abschreckung zu setzen. Besonders auch im Vergleich zu den 10 Jahren Haftstrafe die Jeremy Hammond bevorstehen, der an dem tatsächlichen Einbruch in das Stratfor-Computersystem beteiligt war, wirft die maximale Strafhöhe von 105 Jahren Fragen auf. Besonders in Bezug auf den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten der die Meinungs- und Pressefreiheit in den USA garantieren soll und eigentlich umfassender ist als in den meisten anderen Staaten.

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August 13 2013

Aaron Swartz: erster Teil geheimer Ermittlungsdokumente veröffentlicht

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Der amerikanische Geheimdienst Secret Service hat die ersten Seiten ihrer Ermittlungsdokumente im Fall Aaron Swartz veröffentlicht, nachdem Richterin Colleen Kollar-Kotelly die Regierung zu einer sofortigen Veröffentlichung der Daten aufgefordert hatte. Vorausgegangen war ein mehr als ein Jahr andauernder Rechtsstreit zwischen Kevin Poulsen, der die Herausgabe der Dokumente forderte, und dem Department of Homeland Security, welchem der Secret Service unterstellt ist. Der erste Teil der nun öffentlich gemachten Dokumente umfasst 104 Seiten. Insgesamt umfassen die Ermittlungsdokumente rund 14.500 Seiten, die über die nächsten 6 Monate veröffentlicht werden sollen.

Die veröffentlichten Ermittlungsdokumente, welche zum Teil stark zensiert sind, belegen das Interesse des Secret Services am sogenannten “Guerilla Open Access Manifesto“, welches von Aaron Swartz im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. In dem Manifest ruft Swartz dazu auf, auch urheberrechtlich geschützte akademische Papiere frei verfügbar zu machen, um Wissen allen Menschen verfügbar zu machen. Hintergrund Bereits im Februar vermutete Wired, dass das Manifest vom Secret Service gegen Swartz eingesetzt werden sollte. Die Ermittlungsunterlagen scheinen dieses nun zu belegen.

Auch ein kurzes Memo nach Aaron Swartzs Selbstmord ist in den Unterlagen zu finden, wie Wired berichtet:

“On 1/11/13, Aaron Swartz was found dead in his apartment in Brooklyn, as a result of an apparent suicide,” reads a January 17, 2013 Secret Service memo. “A suppression hearing in this had been scheduled for 1/25/13 with a trial date of 4/1/13, in U.S. District Court of the District of Massachusetts.”

Aaron Swartz wurde im Jahr 2011 festgenommen, nachdem er über das öffentliche Netzwerk der MIT rund 4 Millionen akademische Dokumente aus dem JSTOR-Archiv geladen hatte. Hintergrund waren jedoch keine finanziellen sondern Swartzes Einsatz für die Open-Access-Bewegung. Ihm wurde jedoch Überweisungsbetrug und Manipulation von Computern vorgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt drohten im 35 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1 Millionen US-Dollar. Im Januar diesen Jahres beging Aaron Swartz Suizid. In einem vor rund zwei Wochen veröffentlichen Untersuchungsbericht der MIT, gibt diese an keine Fehler im Umgang mit Aaron Swartz gemacht zu haben. Die nun vom Secret Service veröffentlichten Dokumente sind hier einsehbar.

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August 12 2013

Lavabit-Gründer: “Wenn ihr über E-Mails wüsstet was ich weiß, könntet ihr sie auch nicht mehr nutzen”

Letzte Woche gab Ladar Levison bekannt, seinen E-Maildienst Lavabit zu schließen. Nun hat er sich in einem Interview mit dem Forbes Magazine erstmals zu Wort gemeldet. Das Interview beleuchtet dabei die Hintergründe zur ehemaligen Gründung von Lavabit, Levisons Einstellungen zu Strafverfolgungsbehörden und Überwachung und warum er Lavabit nicht von einem anderen Land aus betreibt.

Levinson stellte dabei auch nochmal klar, dass der Schritt Lavabit zu schließen ausschließlich dem Schutze seiner Nutzer diente:

This is about protecting all of our users, not just one in particular. It’s not my place to decide whether an investigation is just, but the government has the legal authority to force you to do things you’re uncomfortable with.[ ...] The fact that I can’t talk about this is as big a problem as what they asked me to do.

Levison zog Parallelen zum Fall Aaron Swartz und sagte, dass auch er von Behörden eingeschüchtert wurde. Dabei ist Levison nach eigener Aussage nicht daran interessiert, die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden zu erschweren.

He says he’s received “two dozen” requests over the last ten years, and in cases where he had information, he would turn over what he had. Sometimes he had nothing; messages deleted from his service are deleted permanently. “I’m not trying to protect people from law enforcement,” [...]. “If information is unencrypted and law enforcement has a court order, I hand it over.”


Das Problem in diesem Fall sei jedoch, dass jegliche Informationen und Auskünfte der Behörden geheim gehalten werden müssen. Da er sich daran nicht halten wollte, schloss er Lavabit.

Zur Zeit fokussiert sich Levinson darauf, das Recht auf eine Veröffentlichung der Geheimdienstanfrage zu erwirken. Sein ins Leben gerufener “Lavabit’s legal defense fund” hat bis zum Samstagmorgen rund 90.000 US-Dollar eingenommen. Ob er Lavabit in dieser oder ähnlicher Form wiederbeleben werde, koppelt er an die Bedingung, dass die Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden ihre Methoden grundlegend ändern.

It needs to be clear that the government can’t do what they’re trying to do. Otherwise the same request is going to come right back at us. Other big names aren’t able to shut down in protest. I’m one person without a bunch of employees to support. If we win, we win for everyone.

Einen Umzug von Lavabit ins Ausland, um sich dem Einfluss amerikanischer Behörden zu entziehen, schloss Levinson aus, da er die USA nicht verlassen wolle und der logistische Aufwand so nicht zu bewältigen sei.

“Even if I found somewhere secure overseas, it would be hard logistically. My life is here in the States. It would be hard for me to move to another city let alone another country.”

Zur Zeit nehme Levinson aber sowieso eine “Auszeit” von E-Mails, auch wegen des Wissens, welche er über die Methoden der Behörden erlangt hat. Er gab an, dass alle die die selben Informationen hätten wie er, sicherlich ebenfalls von der Nutzung von E-Mails absehen würden.

“I’m taking a break from email. If you knew what I know about email, you might not use it either.”

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August 07 2013

Aaron Swartz: MIT hat nach eigener Einschätzung keine Fehler gemacht

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Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hatte Ende letzten Monats seinen offiziellen Untersuchungsbericht zur Aaron Swartz Tragödie veröffentlicht: Report to the President MIT and the Prosecution of Aaron Swartz. Die Untersuchungen wurden ‘generalstabsmäßig’ geplant und angelegt. So hatten drei unparteiischen, nicht-involvierte Professoren die Aufsicht über die Erstellung des Bericht – Leiter war Prof. Hal Abelson. Das ganze hat ein gutes halbes Jahr gedauert, umfasst 180 Seiten, 10.000 Seiten Text wurden analysiert, rund 50 Leute befragt. So war das Ziel des Reports, drei Fragen zu beantworten. 1. Aktivitäten und Entscheidungen des MIT über den Zeitverlauf beschreiben. 2. Den Kontext dieser Entscheidungen bewerten. 3. Kritische Punkte beleuchten, die weiterer Diskussion bedürfen. Ergebnis: Fragen werden aufgeworfen, aber letztlich habe sich das MIT in seiner “neutralen Haltung” keines Fehlverhaltens schuldig gemacht.

Aaron Swartz, der zwar selbst kein Student oder Mitarbeiter am MIT war, aber enge (u.a. familiäre) Kontakte zu verschiedenen Fakultäten des MIT hatte, lud zwischen September und Dezember 2010 rund 500.000 wissenschaftliche Artikel von der JSTOR Datenbank herunter. Dazu benutzte er ein Notebook, das an MITs Campus-Netzwerk angeschlossen war. Als langjähriger und bekannter Open Access Aktivist hatte er hier keine monetären Ambitionen, sondern folgte vor allem seiner Überzeugung, dass akademisches Wissen frei verfügbar sein sollte. Im Januar 2011 wurde er festgenommen und angeklagt – zu diesem Zeitpunkt drohten ihm bis zu 35 Jahre haft und 1Mio USD Strafe. Die Verhandlungen zogen sich hin und Aaron Swartz hatte diesen Januar dann Suizid begangen.

Während den Verhandlungen gab es viel Kritik an dem Vorgehen der Staatsanwaltschaft, den überaus harten Anklagen und dem Verdacht, dass an Aaron Swartz – seitens der Verlags-Industrie und Regierung – eher ein Exempel statuiert werden sollte. JSTOR stellte schon zu Beginn offiziell klar, dass es kein Interesse an einer weiteren Anklage oder gar Verurteilung Aaron Swartz hat, nachdem die wissenschaftlichen Artikel auf Swartzs Computer sichergestellt waren.

The criminal investigation and today’s indictment of Mr. Swartz has been directed by the United States Attorney’s Office. It was the government’s decision whether to prosecute, not JSTOR’s. As noted previously, our interest was in securing the content. Once this was achieved, we had no interest in this becoming an ongoing legal matter.

Das MIT machte zu diesem Zeitpunkt keine Aussage und so haben viele gehofft, dass der Report, den das MIT nun veröffentlichte, hierzu Stellung bezieht und – vor allem – Fehler eingesteht. Letzteres ist, leider, nicht der Fall. So ist es verständlich, dass viele den Bericht und MITs Aussagen sehr kritisch betrachten. So schreibt der US Amerikanische Jura-Professor Lawrence Lessig, dass ein großer Fehler und grobe Fahrlässigkeit des MIT war, dass es niemals gegenüber der Staatsanwaltschaft klarstellte, ob Aaron Swartz sich überhaupt unberechtigt Zugang zum Campus-Netzwerk verschafft hatte – was ein entscheidender Anklagepunkt war. Der Untersuchungsbericht argumentiert, dass das MIT nicht eingeschritten ist, da Aaron Swartz kein Student des Institutes war – und rechtfertigt dies mit einer “neutralen Haltung”. Lessig weist aber auf die Fadenscheinigkeit dieser Argumentation hin:

MIT has justified intervening in the LaMacchia case and defended not intervening in the Swartz case on the basis that LaMacchia was a student and Aaron was not. But that defense is absurd: If MIT knows that a human is being prosecuted on the basis of a false interpretation of MIT’s rules, what possible difference does it make whether that human is a student or not?

Taren Stinebrickner-Kauffman, Partnerin von Aaron Swartz, sagt außerdem, dass das MIT stärker mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet hatte, als mit der Verteidigung (Zugang zu Dokumenten wurde Letzterem nicht gewährt) und allein dadurch nicht von einer “neutralen Haltung” reden kann.

Here are the facts: This report claims that MIT was “neutral” — but MIT’s lawyers gave prosecutors total access to witnesses and evidence, while refusing access to Aaron’s lawyers to the exact same witnesses and evidence. That’s not neutral. The fact is that all MIT had to do was say publicly, “We don’t want this prosecution to go forward” – and Steve Heymann and Carmen Ortiz would have had no case. We have an institution to contrast MIT with – JSTOR, who came out immediately and publicly against the prosecution. Aaron would be alive today if MIT had acted as JSTOR did. MIT had a moral imperative to do so.

Ethan Zuckerman, Leiter des MIT Center for Civic Media, argumentiert ähnlich und sagt, dass das MIT sich zwar “neutral” verhalten habe – dies aber nicht ethisch richtig war.

I think the report presents MIT with two equally serious charges: a failure to act ethically, and a failure to show compassion.

Letztlich ist es unendlich traurig, dass Aaron Swartz, aus welchen Gründen auch immer, erst sterben musste, um eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des US Amerikanischen Computer Fraud and Abuse Act anzustoßen. Man kann Ethan mit seiner Einschätzung nur Recht geben, dass in Aarons Fall sicher einiges hätte abgewendet werden können, wenn man mit mehr gesundem Menschenverstand vorgegangen wäre. Nicht zuletzt hat Aarons Fall gezeigt, wie sehr die Open Access Diskussion noch in den Kinderschuhen steckt. Der MIT Report hätte an dieser Stelle viel weiter gehen können und Verhaltensfehler eingestehen können und sollen. So endet der Bericht auch lediglich mit 8 Fragen und nicht mit Handlungsempfehlungen.

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June 21 2013

Aaron’s Law: Reform des Computer Fraud and Abuse Acts

Der Netzaktivist Aaron Swartz hat sich Anfang des Jahres das Leben genommen. Seit 2011 wurde gegen ihn unter dem Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) ermittelt, weil er sich in das Netz des MIT gehackt und Millionen öffentlich finanzierter wissenschaftlicher Publikationen heruntergeladen hatte, die sich hinter einer JSTOR Paywall befanden. JSTOR verzichtete darauf, Anklage zu erheben, doch aufgrund des CFAA konnte die Staatsanwaltschaft den Fall weiter verfolgen. Swartz drohten bis zu 35 Jahre Haft und der finanzielle Ruin.

David Nosal wurde Ende April in sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter Diebstahl von Betriebsgeheimnissen und Hacking – obwohl er sich nie selbst in einem Computer gehackt hat. Nosal hatte ehemalige Kollegen überredet, teilweise auch durch Zahlungen, ihm Informationen und Kundendaten aus der Datenbank des Unternehmens zu beschaffen, in dem er zuvor gearbeitet hatte. Obwohl es diese Mitarbeiter waren, die physisch auf die Datenbank zugriffen, wurde David Nosal angeklagt gegen den CFAA verstoßen zu haben. Das Urteil soll später in diesem Jahr verkündet werden.

Der CFAA wurde 1984 verabschiedet, um es der Regierung zu erleichtern, Menschen die sich in Computer hacken um Daten zu stehlen oder die Funktionalität eines Computersystem stören oder zerstören, zu verurteilen.

The act makes it a federal offense if one “knowingly and with intent to defraud, accesses a protected computer without authorization, or exceeds authorized access, and by means of such conduct furthers the intended fraud and obtains anything of value, unless the object of the fraud and the thing obtained consists only of the use of the computer and the value of such use is not more than $5,000 in any 1-year period.” Prison penalties are up to 5 years per violation.

Seit dem Tod von Aaron Swartz mehren sich die Forderungen nach einer Reform des CFAA, inklusive milderer Strafen. Nun gibt es konkrete Bestrebungen, den CFAA zu reformieren: Zwei Mitglieder des US-Repräsentantenhauses, Zoe Lofgren und Ron Wyden, beschreiben bei Wired ausführlich, wieso eine Reform längst überfällig ist und wie sie diese mit einem Gesetzentwurf names “Aaron’s Law” (PDF) umsetzen wollen. Zoe Lofgren hatte im Januar bereits einen ersten Entwurf bei Reddit gepostet und um Feedback gebeten. Die grundlegenden Probleme des CFAA wollen Lofgren und Wyden folgendermaßen angehen:

  1. Establish that mere breach of terms of service, employment agreements, or contracts are not automatic violations of the CFAA.
  2. Bring balance back to the CFAA by eliminating a redundant provision of the law that can subject an individual to duplicate charges for the same CFAA violation.
  3. Bring greater proportionality to CFAA penalties.

Dabei sei dieser Gesetzentwurf nur der Beginn eines Reformprozesses des CFAA. Doch es werde auch nicht einfach sein, diese konkreten Forderungen zu erreichen, schreiben die beiden bei Wired.

The consequences of inaction are all too clear. We live in an age where people connect globally by simply touching a device in the palm of their hand, empowered by online advances that have enriched the world scientifically, culturally, and economically. But ill-conceived computer crime laws can undermine this progress if they entrap more and more people — simply for creative uses of the technology that increasingly mediates our everyday activities and our interactions with the world. This not only fails us today, it can also become an obstacle to the innovations of tomorrow.

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July 22 2011

Aus Protest: Torrent mit 18.592 wissenschaftlichen Artikeln

Aus Protest gegen die das juristische Vorgehen gegen Aaron Swartz hat jemand, der sich als “Greg Maxwell” ausgibt, einen Torrent mit 33GB wissenschaftlicher Publikationen der Royal Society veröffentlicht. Dazu gibt es eine ausgiebige & lesenswerte Erklärung.

[... Sie stammen alle] aus alle aus der Zeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society, die für alle frei verfügbar sein sollte, bisher aber größtenteils durch paywall-Wächter wie JSTOR nur zu hohen Preisen verfügbar waren.

Ein bisschen Ironie zeigt das Vorgehen – Greg Maxwell macht genau das, was Aaron Swartz nicht getan hat: Er veröffentlicht die Daten. Der Einzelpreis pro Artikel liegt je nach Alter zwischen 8 und 19$. Man kann da einerseits von einem großen Verlust für die Lizenzinhaber sprechen – ich jedoch empfinde den bisherigen Verlust der Weltöffentlichkeit, durch enorme Kosten von diesem Wissen ausgeschlossen zu sein als sehr viel herber.

Die Taktik, juristisch verbriefte Rechte anderer zu “verletzen” ist ein Weg. Gleichzeitig sollte aber gerade bei Wissenschaftlern dafür geworben werden, dass sie sich nicht länger in ihrer Wirkungsbreite beschränken lassen: Im Directory of OpenAccess Journals finden sich viele Zeitschriften, die heute schon ohne Zugriffsbeschränkungen Wissen frei verfügbar machen.

Dass und wie das funktioniert, nimmt dem die Wissenschaft einschränkenden Verlagswesen den Wind aus den Segeln.

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