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BSI-Fail bei geklauten Passwörtern wird immer größer

Hacker aus Osteuropa hatten mehrere Millionen Passwörter zu Nutzeraccounts in die Hände bekommen. Danach ist die Datenbank mit diesen Zugangsinformationen in die Hände des BSI gelangt. Und wahrscheinlich erinnert ihr euch noch an die Meldung vor zwei Wochen, in der wir darüber gelästert haben, dass die Webseite der Behörde zur Überprüfung ob man selbst zu den Betroffenen gehört vom Ansturm an Abfragen in die Knie gegangen war.

Schon damals hatte man sich an vielen Stellen gefragt, warum es so lange gedauert hatte, bis das BSI mit der Information über die geknackten Onlinekonten an die Öffentlichkeit gegangen war, immerhin hatten sie nach eigenen Angaben bereits seit Dezember über den Vorfall Bescheid gewusst. BSI-Präsident Michael Hange rechtfertigte die Verzögerung jedoch damit, es habe lange gedauert bis das Verfahren einer “großen Zahl von Anfragen gewachsen ist”.

Das klang damals schon ein bisschen fragwürdig. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Datenklau nicht erst seit Dezember bekannt war. Der Spiegel hat gestern bekannt gegeben, dass BKA und BSI bereits im August vor geknackten Konten gewarnt hatten. Aber nicht normale Bürger, sondern ausschließlich Mitglieder von Behörden, Ministerien und dem Deutschen Bundestag, denn man hatte herausgefunden, dass sich 600 E-Mail-Adressen aus diesem Umfeld in der Datenbank betroffener Adressen befanden. Warum man nicht zum gleichen Zeitpunkt auch die Bürger informiert hatte, versucht das BSI damit zu begründen, man habe “zunächst eine aufwendige Webseite programmieren und Datenschutzfragen klären müssen”. Verzeiht, wenn ich Bilder sprechen lasse, aber manchmal sagt ein solches mehr als 1000 Worte:

Original CC-BY-NC-SA 2.0 via Flickr/dkbschmidt

Original CC-BY-NC-SA 2.0 via Flickr/dkbschmidt

Konstantin von Notz sagte gestern dem Spiegel gegenüber, es stehe der Verdacht einer massiven Schutzpflichtverletzung im Raum, falls die Behörden wirklich seit August Bescheid gewusst hätten. Schutzpflichtverletzung ist ein sehr nüchterner Ausdruck für einen Vorfall, der illustriert, dass wir in Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft haben, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre geht. Ein wenig wie bei der Abhörung des Kanzlerinnenhandys, auch dort schien die massenhafte Abhörung der Bevölkerung im Verhältnis zu einem einzigen Mobiltelefon keine rechte Relevanz zu haben.

Man sollte sich daher auch an die eigene Nase fassen, wenn man den Amerikanern vorwirft, sie legten unterschiedliche Maßstäbe für die Privatsphäre der Menschen im Land und außerhalb an und man selbst nichteinmal den eigenen Bürgern untereinander das gleiche Schutzrecht zugesteht, ohne dass es einen ernstzunehmenden Grund dafür gibt. Das ist kein technischer Ausrutscher – das ist eine Missachtung demokratischer Werte und eine Manifestation asymmetrischer Grundrechtsverteilung.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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Schweinderl