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“Leave Traffic Here” – Wenn du nicht willst, dass die NSA es weiß, erzähl es auch nicht deinem App-Anbieter

Woran merkt man, dass die aktuellen Enthüllungen um NSA und GCHQ sich auf die jüngere Vergangenheit beziehen?

  1. Es hat mit Smartphones und Angry Birds zu tun.
  2. Die Präsentationen sehen nicht mehr ganz so grausam aus.

Aber zurück zu den Inhalten: In einem gemeinschaftlichen Bericht haben New York Times, The Guardian und ProPublica neue Dokumente aus dem Snowden-Fundus kommentiert. Die demonstrieren, wie Inhaltsdaten aus Smartphone-Apps NSA und GCHQ bei der Informationsbeschaffung dienen. Dass sich die Geheimdienste mittlerweile auf Smartphones konzentrieren, liegt nahe. In der GCHQ-Präsentation heißt es, man erwarte, dass 2015 90% des Internetverkehrs von Mobilgeräten stammen werde.

Ausgenutzt wird dabei die Tatsache, dass jede Menge existierender Apps eine Vielzahl an Informationen über den Nutzer und dessen Gerät sammeln, auch wenn diese nicht für den eigentlichen Bestimmungszweck notwendig wären. Wie im Beispiel der Taschenlampen-App, die fleißig Ortsinformationen übertrug, um sie danach gewinnbringend an Marketingfirmen weiterzuleiten.

Die Übertragung solcher Informationen ist im Regelfall nicht weiter geschützt, die Angaben laufen teilweise sogar im Klartext durch das Netz und es ist nur logisch, dass die Geheimdienste das ausnutzen. Oder wie es der Untertitel der NSA-Präsentation treffend sagt: “Identifizierung/Verarbeitung/Erledigung – Alles nichts Besonderes”

Neben statischen Angaben zu Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, die von manchen Apps gesendet werden, sind die Geheimdienste vor allem auch an übertragenen Ortsinformationen interessiert. So weist die NSA darauf hin, dass GPS-Daten von Android unverschlüsselt übertragen werden und sich aus Fotos, die ein Nutzer macht und auf eine Plattform hochlädt, durch Auslesen der EXIF-Informationen Zeit und Ort der Aufnahme extrahieren lassen: “Es liegt alles in den Metadaten, nicht in den hübschen Bildern.”

Weitere Angaben, an denen man interessiert ist, umfassen unter anderem Adressbücher, heruntergeladene Dokumente, unterstützte und eingesetzte Verschlüsselung, besuchte Websites und Telefoneinstellungen. Schon jetzt könne man die Ortsinformation über praktisch jedes Telefon ermitteln. Herausforderungen scheinen aber noch darin zu liegen, die Angaben automatisch so zu taggen, dass sie für Analysten nützlich sind.

Illustration aus der NSA-Präsentation

Illustration aus der NSA-Präsentation

Was diese Nachrichten uns Neues bringen, ist nicht, dass die NSA Informationen auf unseren Mobiltelefonen ausspäht, sondern dass es ihnen durch die Praxis der App-Entwickler und Anbieter mobiler Dienste unvorstellbar leicht gemacht wird. Niemand kann plausibel erklären, warum eine App wie AngryBirds wissen muss, ob der Nutzer verheiratet, geschieden oder Single ist. Daten, die nicht entstehen, können nicht abgegriffen werden. Und da liegt die Verantwortung nicht nur bei Politik und Gesetzgebung, der NSA das Schnüffeln zu verbieten, sondern auch bei den Entwicklern, Datensparsamkeit umzusetzen. Und bei jedem Einzelnen selbst, kurz innezuhalten, bevor er Informationen von sich preisgibt. Und zu überlegen, ob diese zur Erfüllung seines Ziels wirklich notwendig sind.

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Schweinderl