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Millionärswahl für Cannabis-Legalisierung nutzen

Georg Wurth_16Georg Wurth ist ein Freund von mir und setzt sich mit dem Deutsche Hanfverband für die Legalisierung und Akzeptanz von Cannabis ein. Als er mir im November erzählte, dass er sich bei der TV-Show Millionärswahl beworben hat, war ich etwas skeptisch. Ich bin keine Zielgruppe für diese Art von TV-Shows und dachte, das wäre auch für ihn Zeitverschwendung. Aber er wollte die Möglichkeit nutzen, einerseits seine starke Online-Community als Unterstützer zu nutzen und im Fernsehen für sein Anliegen zu werben. Die TV-Show ist mehr oder weniger gescheitert, aber Georg hat die zweite Runde gewonnen, steht heute im Finale und könnte eine Million Euro gewinnen. Das Finale wird aber nur ab 20:15 Uhr im Netz ausgestrahlt. Aus diesem Grund hab ich ein kleines Interview mit ihm gemacht, um zu erklären, warum er das macht und wie er das Netz für eine Art Wahlkampf genutzt hat. Und so passt es dann auch wieder hier rein. Außerdem habe ich es nie verstanden, dass man an Tankstellen Alkohol kaufen, aber fürs Kiffen im Park den Führerschein verlieren kann. Ein Cannabisverbot ist eine der unlogischsten Gesetzgebungen in Deutschland, zumal gerade die halbe USA kiffen erlaubt.

Wer auf solche Art von Shows steht, das Anliegen gut findet und bei kostenpflichtigen TV-Votings mitmacht, kann Georg heute ab 20:20 dadurch unterstützen, dass man unter 01379 36360-6 anruft oder eine SMS mit dem Text “Inhalt 6″ (Keine Ahnung, ob eine 6 auch reicht) an die Nummer 40400 schicken.

netzpolitik.org: Was macht der Deutsche Hanfverband?

Georg Wurth: Unser Ziel ist die Legalisierung von Cannabis, also die Regulierung des bisherigen Schwarzmarktes durch Einführung von Cannabis-Fachgeschäften, sowie der legale Anbau einiger Hanfpflanzen zur Deckung des Eigenbedarfs. Außerdem wollen wir natürlich die Verfolgung der Konsumenten beenden und zum Beispiel eine vernünftige Führerscheinregelung durchsetzen. Niemand soll bekifft fahren, aber es soll auch niemand wegen Cannabis den Führerschein verlieren, der noch nicht berauscht gefahren ist.
Außerdem geht es uns um eine vernünftige Versorgung von Patienten mit medizinischem Cannabis und die Förderung von Hanf als Biorohstoff.
Ich selbst beschäftige mich seit 1996 intensiv mit dem Thema, seit 2002 hauptberuflich beim DHV.

netzpolitik.org: Wieso hast Du Dich bei der Millionärswahl beworben?

Georg Wurth: Das lag nahe, weil wir mittlerweile eine große online-community haben, so dass wir mit guten Chancen ins Rennen gegangen sind. Ein TV-Auftritt zur besten Sendezeit war verlockend und die Million können wir für unsere Arbeit natürlich auch gut gebrauchen.

netzpolitik.org: Was willst Du mit dem Geld machen, wenn Du gewinnst?

Georg Wurth: Wir wollen vor allem unsere Öffentlichkeitsarbeit ausbauen und die Leute zum Nachdenken bringen, ob das Hanfverbot mit all seinen negativen Auswirkungen wirklich so sinnvoll ist. Ich möchte zum ersten mal in der deutschen Geschichte einen Fernseh-Werbe-Spot schalten, wie es in den USA bei Volksabstimmungen zum Thema schon lange üblich ist. Das soll aber nur eine Initialzündung sein, es soll noch genug Geld übrig bleiben, um auch Zeitungsanzeigen und kreative PR-Maflnahmen zu finanzieren. Außerdem werden wir Patienten und anderen helfen, die vor Gericht für ihre Rechte kämpfen und über Jahre hinweg die Struktur des DHV ausbauen. Es geht immerhin um das zehnfache unseres derzeitigen Jahresbudgets.

netzpolitik.org: Medienberichten zufolge wurde das Abstimmprocedere und der gesamte Ablauf der Sendung mehrfach geändert. Der verkürzte Abschluss findet gar nicht mehr im Fernsehen, sondern nur noch im Netz statt. Wie fühlt man sich als Beteiligter?

Georg Wurth: Ich habe Glück gehabt, weil ich in der zweiten Vorrunden-Sendung dran war, die als einzige gut funktioniert hat. Wir hatten sehr gutes Feedback nach meinem Auftritt, viele neue DHV-Fans und Mitglieder – und einige Eltern habe ich wohl auch zum Nachdenken gebracht. Und die Million kann ich auch bei der Übertragung im Netz noch gewinnen, denn die meisten DHV-Supporter sind sowieso eher im Web als vor dem Fernseher zu Hause. Schlimmer getroffen hat es sicher die Macher der Millionärswahl und die 35 Kandidaten, die keine Chance hatten, sich im TV zu präsentieren.

netzpolitik.org: Der Deutsche Hanfverband ist sehr aktiv bei Facebook. Wie nutzt Du soziale Medien für Deinen Wahlkampf?

Georg Wurth: Es läuft fast nur über facebook, das ist für uns ein unglaublich mächtiges Instrument. Der DHV hat selbst über 70.000 aufmerksame und motivierte Fans und wir arbeiten auch mit noch größeren Gruppen zusammen. Mittlerweile sind sehr viele Leute bereit, aktiv zu werden, um diese unsinnige Stasi-mäßige Verfolgung harmloser Leute zu beenden. Schon vor zwei Jahren hat uns das bei Merkels Zukunftsdialog ganz noch oben katapultiert, so dass ich als erster Cannabis-Lobbyist ins Kanzleramt eingeladen wurde.

netzpolitik.org: Nun könnte man meinen, dass Cannabiskonsumenten als kriminalisierte Bürger vielleicht nicht mit offenem Visier soziale Medien nutzen würden, trotzdem habt Ihr 70.000 Fans auf Facebook. Wie erklärst Du Dir das?

Georg Wurth: Ein Aspekt dabei ist, dass wir keine Vereinigung von Konsumenten sind, sondern von Legalisierungsbefürwortern. Uns zu liken ist ein politisches Statement, kein Konsum-Outing. Noch wichtiger ist aber, dass die Angst der Leute immer mehr nachlässt, offen zu dem Thema zu stehen. Es gibt Cannabis-facebook-Gruppen mit über 100.000 Fans, die viel mehr konsumbezogen sind als wir. Das ist eine Lawine, die nicht mehr aufzuhalten ist. Was wollen “sie” dagegen machen, 100.000 Hausdurchsuchungen? Die Leute verlieren ihre Angst, weil sie merken, wie viele sie sind.

netzpolitik.org: Was muss die Politik machen, um Cannabiskonsumenten aus der Kriminalität zu holen, nachdem die halbe USA mittlerweile legal kiffen kann?

Georg Wurth: Ein guter Anfang wäre, wenn der Besitz einer gewissen Menge zum Eigengebrauch nicht mehr strafbar wäre. Dann würden Anzeigen gar nicht erst geschrieben, die Leute könnten ihr Gras oder Hasch behalten und die Polizei könnte sich mit echten Kriminellen beschäftigen. Dazu legaler Eigenanbau und ein vernünftiger THC-Grenzwert für den Straßenverkehr. Das wäre schonmal ein großer Fortschritt. Letztlich wäre aber eine Regelung wie in Colorado sinnvoll, mit legalem Anbau, geprüfter Qualität und Fachgeschäften für Erwachsene.

netzpolitik.org: Wie kann man Dich und Dein Anliegen unterstützen?

Georg Wurth: Finanziell mit einer einmaligen Spende oder als Privatsponsor mit einem regelmäßigen Jahresbeitrag. über 1.000 Privatsponsoren und gut 100 Firmen der Hanfbranche machen mit ihren Beiträgen unsere Arbeit überhaupt erst möglich. Aber wir brauchen auch Leute, die aktiv werden. Vom Leserkommentar bis zum Info-Stand gibt es da viele Möglichkeiten. Wer sich einbringen will, sollte mal einen Blick ins DHV-Forum werfen. Und natürlich durch Voten bei der Millionärswahl!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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Tags: Campaigning

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