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SPD geht mit BKA gegen politischen Telefonstreich vor

Gestern Abend ging die Geschichte durch einige Medien, dass Unbekannte als Anrufer bei SPD-Funktionären im Namen des SPD-Parteivorstandes anrufen würden, um diese zur Zustimmung der Großen Koalition zu motivieren. Dazu wäre die Telefonanlage der SPD-Zentrale gehackt worden, da die angezeigte Nummer die der SPD-Zentrale gewesen sei. Heute Vormittag bekannte sich die Sektion “Kommando Gerhard Schröder” der Hedonistischen Internationalen zu der Aktion: Kommando Gerhard Schröder der Hedonistischen Internationale kämpft am Telefon für ein “JA” beim SPD-Mitgliedervotum. Zum Vorgehen schreiben die Spaß-Guerilleros:

Um die SPD-Mitglieder auf Linie zu bringen, hat das Kommando Gerhard Schröder ausschließlich Aussagen und Argumente verwendet, mit denen ranghohe Mitglieder der Partei und ihres Vorstandes in den letzten Wochen in den Medien zitiert wurden. Diese Aussagen wurden in den Telefongesprächen mit Willy-Brandt-Zitaten garniert, um sie den Genossen schmackhafter zu machen.

Sinn der Aktion war wohl, mal auszuprobieren, wie SPD-Funktionäre auf solche Anrufe reagieren. Bei heiklen Abstimmungen werden in Parteien und ähnlichen Organisationen gerne mal aus der Zentrale viele Funktionäre angerufen. Unüblich ist, dass Aktivisten mit Mitteln der Kommunikationsguerilla ungefragt mitmischen. Die SPD findet das nicht so lustig und hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Jetzt ermittelt laut Medienberichten sogar das Bundeskriminalamt.

Dass es sich in diesem Fall augenscheinlich um Satire handelt, zeigt ein lustiges Interview bei taz.de mit Michael Wiegand, einem “tarifgebundenen Call Center Agent” des Kommandos Gerhard Schröder: „Nur konsequent weitergedacht“.

Sagen Sie mal was Ihr schönster Satz war.

Denke an Willy Brandt. Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört. Das kannst du durch dein „Ja“ möglich machen. Komm, lass uns möglichst viele Genossen für dieses große Projekt mitnehmen.

Das hört sich ja alles ganz lustig an. Andrea Nahles findet das aber gar nicht lustig. Sie hat Strafanzeige gestellt, inzwischen ermittelt das Bundeskriminalamt. Die Generalstaatsanwaltschaft führt das Verfahren.

Wir bedauern sehr, dass Andrea Nahles unseren Akt der Solidarität, zumindest öffentlich, nicht als solchen schätzt. Wir haben uns ja angeschaut wie der Parteivorstand aktuell die Mitglieder sogar in den Wahlunterlagen beeinflusst und haben nur diese Strategie konsequent weitergedacht. Wir hätten uns für diese Vorgehensweise mehr Rückendeckung aus dem Parteivorstand gewünscht. Aber das ändert nichts an unserer Einstellung: „Mehr Telefonie wagen“ darf nicht bloß ein Lippenbekenntnis sein.

Man kann sich darüber streiten, ob das geschmacklose Satire oder eine gelungene Kommunikationsguerilla-Aktion ist. Ein Fall für das Bundeskriminalamt dürfte das aber nicht sein: Hier wird gleich mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ein Hack der SPD-Telefonanlage ist in diesem Fall unrealistisch. Wahrscheinlich wurde lediglich die Absender-Telefonnummer in einem VoIP-Telefon anders eingestellt. Dazu muss man kein Hacker sein, das kann auch ein Kind mit rudimentären Telefonkenntnissen machen.

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Schweinderl