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“Solange er’s nicht weiß, haftet er nicht” – Amazon nicht für Urheberrechtsverstöße verantwortlich

Stell Dir vor, du gehst in die Buchhandlung deines Vertrauens. Nimmst ein zufälliges Buch aus dem Regal und findest darin einen Auszug aus dem Werk deines Großvaters, an dem du eigentlich die Rechte hast. Du sprichst den Buchhändler darauf an und er nimmt das Buch sofort aus dem Regal. Was tust du jetzt?

  1. Du mahnst den Buchverlag ab.
  2. Du mahnst den Buchhändler ab.
  3. Du mahnst den Buchhändler ab und verklagst ihn danach.

Stellen wir uns jetzt vor, du wärest die Enkelin von Karl Valentin, das Buch ein E-Book mit einem Auszug aus einem Sketch deines Opas und der Buchhändler Amazon.

Natürlich wählst du Möglichkeit c), oder? Nein?

Dass so ein Vorgehen eigentlich nicht ganz angemessen ist, haben auch die Richter des Oberlandesgerichts München befunden. Sie wiesen eine Klage von Anneliese Kühn, besagter Enkelin, ab und bestätigten damit, dass ein Online-Versand nicht für die Inhalte der vertriebenen Bücher verantwortlich ist. Um es mit Richterin Zwirleins Worten auszudrücken:

Solange er’s nicht weiß, haftet er nicht.

Hätte Amazon das Buch nach der Abmahnung im Sortiment gelassen, sähe die Sache natürlich anders aus. Das Urteil ist eine richtungsweisende Entscheidung in einer Urheberrechtsfrage. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen – Kühns Anwalt hat eine Berufung bereits angekündigt und will bis vor den Bundesgerichtshof ziehen.

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Schweinderl