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EU-Studie zu “Crowd Behaviour” auf Demonstrationen warnt vor Anti-ACTA und Occupy

“Hi, my name is XX. I am working on an EU research project and we are studying events like this. I would like to ask you a couple of questions”.

Seit ungefähr zehn Jahren führt die Europäische Union Forschungen durch, um sogenannte “polizeiliche Großlagen” besser in den Griff zu bekommen. Handelte es sich zunächst um grenzüberschreitende Fussballspiele, rückten mehr und mehr auch internationale Demonstrationen ins Visier der Behörden. Hintergrund sind Erfahrungen mit Protesten gegen den EU-Gipfel in Amsterdam 1997 und das Treffen der WTO in Seattle 1999 (der Geburtsstunde des Internetportals Indymedia). Zentrale Wendepunkte für die polizeiliche Reaktion auf Massenproteste in Europa waren jedoch der EU-Gipfel in Göteborg und der G8-Gipfel in Genua, zu denen im Sommer 2001 als “Summer of Resistance” mobilisiert wurde.

Das erste (und später in eine zweite Phase verlängerte) EU-Forschungsprogramm trug den Namen EU-SEC. Ziel waren die Entwicklung von Standards für den Austausch von Informationen unter Polizeibehörden und Geheimdiensten und die präventive Ausforschung internationaler Strukturen. Weil aber DemonstrantInnen auf veränderte Polizeistrategien reagieren, antwortete die EU mit einem weiteren Programm namens GODIAC unter Leitung der schwedischen Polizei.

Als Problem wurde umrissen, dass die Taktik von AktivistInnen bei internationalen Gipfelprotesten “immer weniger vorhersehbar” sei. Während EU-SEC Handreichungen und Handbücher zur Polizeizusammenarbeit produzierte, widmete sich GODIAC mehr der Disziplin “Crowd Behaviour” und “Crowd Research”, also dem Kontrollieren oder sogar Vorhersehen von Massenphänomenen. Sowohl EU-SEC als auch GODIAC sind beendet, Ergebnisse bleiben aber unter Verschluss.

Gipfelproteste haben nicht immer Konjunktur auf internationaler Ebene. Hin und wieder sind Mobilisierungen lediglich für einheimische Bewegungen von Bedeutung. Die EU antwortet jetzt mit Forschungen zur Einrichtung eines “Koordinators für polizeiliche Großlagen”, der ähnlich wie der “Anti-Terror-Koordinator” entsprechende Aktivitäten bündeln und nationale Polizeien beraten soll.

In einem Papier des GODIAC-Programms wird erklärt, Polizeien stünden einer zunehmenden Internationalisierung von Protest gegenüber. Die Polizeiforschung nimmt daher zahlreiche Protestformen unter die Lupe, darunter “gewöhnliche Demonstranten” bis hin zu “Aktivisten/ Extremisten”.

Als Beispiele erfolgreicher, unerwarteter Protestformen gelten die Anreise mehrere Tage vor dem Ereignis, die Blockade von Konferenzgebäuden oder das Agieren als sogenannter “Schwarzer Block”. Laut GODIAC antworten Polizeien zunehmend mit “paramilitärischen Taktiken”. Eine Empfehlung erhalten deshalb die sogenannten “Konfliktmanager” der deutschen Polizei (bzw. “Dialogue Police”/ Schweden, “Event Police”/ Dänemark”Peace Unit”/ Niederlande und “Dialogue Officers/ Großbritannien). Es handelt sich dabei um BeamtInnen mit leuchtenden Westen, die AktivistInnen in langwierige Gespräche verwickeln.

Beforscht wird auch der Umgang mit Sozialen Medien und die Analyse von dort ventilierten Informationen. Die GODIAC-Studie nennt dies “gegenwärtige Herausforderungen von Globalisierung und ‘Technologisierung’ von Massenereignissen [crowd events]“. “Moderne Kommunikationstechnologien” beförderten Protest auch fernab vom eigentlichen Ereignis und trügen zu einer “Synchronisierung” bei:

The technological revolution – smart mobile phones, e-mail, the Internet and social media, especially Facebook and Twitter – can have a direct impact on protest behaviour, for example, by organising flash mobs or spreading information on police deployment or movement.

GODIAC identifiziert die Anti-ACTA-Proteste am 11. Februar 2012 als Unruheherd und potentielles Risiko zukünftiger Protestformen. Damals hätten insbesondere Soziale Medien eine tragende Rolle gespielt, um Demonstrationen in 55 Städten aufeinander abzustimmen. Genannt wird auch die Occupy-Bewegung, die gleichzeitige Proteste in den Finanzzentren London, Frankfurt und Rom durchführen konnte. Geraten wird nun, dass auch Polizeien mehr in Sozialen Netzwerken präsent sein sollen:

Police organisations are addressing these developments and have started to use Twitter and other social media as part of their communication strategies during day-to-day business but also around public order events to inform the public and the demonstrators before, during and after an event.

Für die GODIAC-Studie haben die Polizeiforscher übrigens viele Interviews auch mit Demonstrierenden geführt. Das dürfte sich nicht ohne Peinlichkeiten abgespielt haben, wie das oben gepostete Foto einer holprigen Annäherung von hinten illustriert. Dies obwohl den Beteiligten eingeschärft worden war, mit dem typischen Protestzubehör anzureisen. Hierzu gehören laut GODIAC:

• A bottle of still water (actually against thirst, but can also be good to wash off tear gas)
• Energy or fruit bars
• GPS-capable PDA/Smartphone (if available)
• Spare clothes (sweatshirt, rain jacket, baseball cap)
• Money (coins and banknotes in small denominations)
• Sunscreen

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Schweinderl