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Flucht nach vorn: Wikileaks veröffentlicht alle Cables

Update 2: Über das Thema spreche ich morgen um 18:30 Uhr mit Anne Roth ausführlich im Rahmen der Konferenz “Netz für alle!” im Betahaus, Berlin.

Wikileaks hat nun die gesamten vermeintlich unredigierten Cables veröffentlicht. Sie stehen hier als torrent bereit. Zur Veröffentlichung wurde nochmals auf die Pläne, die Auswertung zu crowdsourcen, hingewiesen. Auch im Webinterface sind nun alle Cables zu durchstöbern.

Dieser Schritt war zu erwarten und (für Wikilekas) notwendig geworden, nachdem bereits vor einer Woche an die Öffentlichkeit geriet, dass das von David Leigh im Buch “Wikileaks – Julian Assange’s War on Secrecy” anekdotisch wiedergegebene Passwort zu einer Datei gehört, die dummerweise weit verbreitet wurde und sich auch noch in Umlauf befindet.

Dadurch war klar geworden, dass sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den ‘falschen’ Händen befinden würde, und Wikileaks’ Ruf war ernsthaft bedroht. Nur durch die vollständige Veröffentlichung kann Wikileaks nun dem Vorwurf der Gefährdung von Informanten oder Betroffenen durch ein Sicherheits-, oder besser: Vertrauensleck entgegentreten (wenn durch die Veröffentlichung kein Schaden entsteht)

Gegen David Leigh und eine nicht genannte deutsche Person (zur Auswahl stehen Jakob Augstein, Steffen Kraft und Daniel Domscheit-Berg) wurden rechtliche Schritte angekündigt – wir werden sehen, wie weit man damit kommt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit vermeintlichen Verrätern möchte man als Institution, die um uneingeschränktes Vertrauen wirbt, eigentlich nicht haben.

PR-technisch scheint dieser Schritt bisher auch entsprechend nicht so zu zünden: Die Berichterstattung fokussiert auf Wikileaks, und nicht auf den Deppen Leigh, der das Passwort veröffentlicht hat, und sich nun mit der Behauptung aus der Affäre ziehen möchte, er habe das Passwort für temporär gehalten. Das ist natürlich kappes - und selbst wenn es das gewesen wäre: Passwörter zu verraten ist nie eine gute Idee.

Merkt euch das. Und jetzt: Weitermachen. Nachdem keine Cables mehr redigiert werden müssen, hat man bei Wikileaks ja jetzt vielleicht Zeit, das Submission System zu fixen.

Update: In den Kommentaren stelle ich fest, dass der Artikel so interpretiert wird, als hielte ich Wikileaks’ Schritt für besonders begrüßenswert. Wie ich aber im Titel schon schreibe: Es handelt sich um eine Flucht nach vorn [Versuch, sich durch aktives Handeln aus einer Notlage zu befreien] Dieser Schritt war das beste, was Wikileaks (1.) jetzt noch & (2.) für sich selbst tun konnte – jetzt, nach all den Fehlern, über ich hier in der letzten Woche geschrieben habe, hatten sie keine andere Wahl mehr.

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Schweinderl