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Studie über Traffic-Shaping (Netzneutralität)

Mit dem Tool Shaperprobe kann man prüfen, ob der Internet-Provider “Shaping” betreibt. Inzwischen wurden 5.700 ISPs damit geprüft und so viele Daten gesammelt, dass nun ein Paper mit einigen Analysen veröffentlicht wurde (PDF). Darin bekommt der Provider Comcast, der immer an erster Front ist, wenn es um Eingriffe ins Netz geht, für 70% der Fälle sowohl beim Up- als auch bei Download Shaping nachgewiesen.

Shaping wirkt sich so aus, dass Datenübertragungen mit zunehmendem Volumen gedrosselt werden: Instant Messages, Webseiten und kleine Emails werden flott zugestellt, aber an der Übertragung größerer Datenmengen möchte der Provider einem den Spaß nehmen.

Gegen Netzneutralität im engeren Sinne ist shaping ein offensichtlicher Verstoß. Allerdings wird von Seiten vieler Netzbetreiber argumentiert, dass das Internet in seiner heutigen Form ohne Shaping längst zusammengebrochen wäre. Nehmen wir als Beispiel ein YouTube-Video von 10 Minuten Dauer: Wieso sollte es in 30 Sekunden übertragen werden? In der Praxis wird gerne der Anfang schnell übertragen, und dann die Übertragung verlangsamt. Der Nutzer schaut derweil sein Video – und die höhere Bandbreite steht anderen zur Verfügung bzw. das Netz wird entlastet.

Wenn der Anbieter YouTube das von sich aus macht, ist das nett und sinnvoll, aber wenn ein Provider seine Kunden bevormundet, dann kommen vor allem deshalb Probleme auf, weil das (1.) nicht möglich ist ohne den Traffic zu analysieren (der Provider muss “in die Pakete hinainschauen” und sie in Zusammenhang setzen) und (2.) in Fällen, wenn es nicht um ein YouTube-Video geht auch ein sehr viel üblerer Verstoß gegen die Netzneutralität sein kann.

Einer der Diskussionspunkte der Netzneutralitätsdebatte ist, dass Shaping sich schwer so definieren lässt, dass nur “gutes Shaping” gemeint ist, und “schlechtes Shaping” ausgeschlossen wird. Das sollte aber nicht davon ablenken, dass es durchaus auch Provider gibt, die aus ökonomischen Erwägungen gerne sehr viel mehr als nur ein bisschen Shaping durchsetzen würden – die notwendige Technologie für “Trafficoptimierung” und Überwachung, Kontrolle, Zensur und Diskriminierung ist prinzipiell die gleiche.

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Schweinderl