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Reaktionen auf “Locationgate”

“Locationgate” wurde nun also die Affäre um die Datei consilidated.db, die in iPads (3g) und iPhones die Bewegungen des Nutzers protokolliert, von “den Medien” getauft – und landete am Samstag sogar auf der Titelseite der Sueddeutschen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Wie ich schon schrieb:

Man kann jetzt also nicht von einer großen Überraschung reden.

Wir erinnern uns: Kurze Zeit später berichtete Jörg-Olaf von einer ähnlichen Funktion in Android-Geräten. Aber nur dass es “Common practice” zu sein scheint, heißt ja nicht, dass man damit einverstanden sein muss – insbesondere, wenn man an Geräte wie dieses hier denkt, mit denen bei einer Verkehrskontrolle mal eben alle Daten vom Mobiltelefon gezogen werden.

Als Mensch, der einen zu hohen Anspruch an den Unterhaltungsfaktor seines Lebens stellt, um bedingungsloser Postprivacy-Jünger zu sein, habe ich mich für Gegenmaßnahmen entschieden, und die Datei unschädlich gemacht. Das aber schmeckt nicht jedem:

Im iPhoneblog platzte es aus der sonst so zarten Seele Alex Olmas heraus: “Liebe Panikmacher, ich hasse euch!” Seine Argumentation: Die Datei war schon seit längerer Zeit bekannt, und in Büchern über die forensische Auswertung von iPhones dokumentiert – deshalb sei die “Panik” jetzt nicht zu verstehen.

Die Option, durch einen Jailbreak root-Zugriff auf und somit die Kontrolle über sein Gerät zu erlangen, gehöre aber in die “Quatsch-Kategorie” (Anm.: Olma ist schon seit einiger Zeit kein Fan der “Meine Hardware gehört mir“-Idee mehr – hauptsächlich, weil ein Jailbreak für inkompetente User zusätzliche Sicherheitsrisiken mit sich bringt) Er schließt aber mit den Worten:

Jede Firma, der wir Daten bewusst zustecken oder diese ohne Wissen abgenommen bekommen, gilt es zu beobachten. Dabei jedoch bei der Log-Datei ‘consolidated.db’ anzufangen, ist schlicht und ergreifend unverhältnismäßig.

Auf diese allgemeine Kritiklosigkeit gab es natürlich auch erboste Reaktionen. Die ungeklärte Frage blieb: Wie kam die Datensammlung zustande: War es Absicht, oder Versehen? Frank Rieger vermutet, dass Strafverfolgungs- oder Geheimdienstbehörden Apple freundlich massiert haben, die Funktion entweder einzubauen, oder aber sich bei der Behebung des Fehlers Zeit zu lassen: “Der Bug” ist seit einiger Zeit dokumentiert – und zwar in Büchern, die man bei Apple sicher auch gerne liest – und keinerlei Maßnahmen zur Verheimlichung der Datensammlung wurden ergriffen – obwohl Apple eigentlich immer relativ flott auf Sicherheitslücken reagiert, also mit dem nächsten Update.

Dadurch, dass die Datei per Default auch nicht verschlüsselt sei, könne Apple nun plausibel abstreiten, mit den Behörden zusammengearbeitet zu haben – die These kann also grundsätzlich schon einmal nicht bewiesen werden.

Im Lager der Fanboys* reagierte man wiederum darauf mit Spott und so. So erleben wir also gerade die Spaltung zwischen Kritikern und Unkritischen: Zwei Gruppen, die sich ohnehin nicht näher kommen werden, und daher primär mit dem Unterbieten der sich gegenseitig zugeschriebenen kognitiven Leistungsfähigkeit beschäftigt sind.

Insofern hat Alex wohl Recht, wenn er schreibt, dass in dieser Debatte ein Ansatzpunkt, um über den Umgang mit persönlichen Informationen aufzuklären, verpasst wurde – auch wenn er vielleicht selbst auch nicht viel dazu beigetragen hat.

Dabei ist doch alles klar: Im nächsten Update ist die Funktion verschwunden, oder der Nutzer mit einer Opt-Out-Möglichkeit ausgestattet. Das wird gut und richtig sein. Apple wird überhaupt nicht dazu Stellung nehmen, weil man sich weder den “Wir fixen dokumentierte Bugs über mehrere Versionen nicht“-, noch den “Wir kooperieren mit den Diensten“-Schuh anziehen möchte.

Und was auch klar war: In den USA wurde derweil geklagt.

* Update: Fun fact: Es gibt einen Podcast, der genau so heißt, und zu allem Überfluss auch noch von den zitierten Personen gemacht wird. Mit “Lager der Fanboys” sind aber auch (richtige) Fanboys angesprochen.

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Tags: General

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Schweinderl